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...als ob ich ein Ausländer wäre

Von Jerko Mikanov

Wir befinden uns im Einfamilienhaus der Familie Šišić. Herr Ilija, der als junger Mann mit neunundzwanzig Jahren von Kroatien nach Deutschland ging, kehrte erst mit sechzig Jahren als alter Mann in seine Heimat zurück. Gemütlich in einem Sessel gelehnt, war er erfreut, über sein Leben als Gastarbeiter in Deutschland zu sprechen. Meine Fragen wurden auf Deutsch gestellt, er antwortete in kroatischer Sprache.

Herr Ilija, warum sind Sie nach Deutschland gegangen?
Ich ging weg
en der Arbeit nach Deutschland. Hier in Kroatien, konnte ich keine Arbeit finden. Mehrmals habe ich mich nach Arbeitsstellen ausgekündigt, ich reichte mehrere Anfragen für eine Arbeit ein, aber bekam keine Arbeitsstelle. Zu dieser Zeit arbeitete mein Bruder schon in Deutschland und ich beschloss, Kroatien zu verlassen, um in Deutschland zu arbeiten.

Wie fanden Sie sich in Deutschland zurecht?
Um ehrlich zu sein, fand ich mich elend zurecht, so fand ich mich zurecht. Ich fand
mich mit Hilfe meiner Freunde zurecht. Ich konnte weder Deutsch schreiben noch Deutsch sprechen. Man bat jeden um Hilfe - ältere Gastarbeiter, Freunde, eigentlich alle. Mein Bruder, der nicht weit von mir lebte, hat mir auch geholfen.

Wo haben Sie gearbeitet und wie war es dort?
Ich habe in einer
Kühlschrankfabrik gearbeitet. Nun, dort war es gut, dort arbeiteten siebenhundertunddreißig Arbeiter, überwiegend Ausländer. Dort arbeiteten Angehörige vieler Nationalitäten aus dem damaligen Jugoslawien - Kroaten, Serben, Bosnier und dort haben auch Türken, Italiener und Griechen gearbeitet. Die Arbeitszeit war von sieben Uhr Morgens bis sechzehn Uhr Nachmittags. Im Allgemeinen waren wir gut von den Deutschen Arbeitern akzeptiert, wir waren nicht ausgeschlossen und man respektierte uns.

War es schwierig ihre Familie in Kroatien zurückzulassen und wie fühlten Sie sich deswegen?
Ja, es war schwer, sehr schwer. Ich war traurig, weil ich meine Familie, meine Frau und drei Kinder verlassen musste. Das
war eine schwierige Entscheidung für mich, aber es musste so sein, die Kinder sind zur Welt gekommen und ich musste einfach für sie sorgen. In Kroatien konnte ich keine Arbeit finden und mir blieb keine andere Wahl als nach Deutschland zu gehen. Noch heute tut es mir weh, noch heute quäle ich mich darüber, dass ich auf diese Weise meine Familie verlassen musste. In Deutschland habe ich mein junges Leben gelassen! Dreiunddreißig Jahre und sieben Tage arbeitete ich dort!

War es Ihr Plan, so viele Jahre in Deutschland zu verbringen?
Nein, nein, ich wollte nur in Deutschland Geld verdienen, damit ich ein Grundstück in Kroatien kaufen kann und danach wollte ich nach Hause zurückkehren. Nachdem ich genug Geld in Deutschland verdiente, kaufte ich ein Grundstück in Kroatien. Erneut habe ich versucht in Kroatien
eine Arbeitsstelle als Förster zu bekommen aber ich bekam die Arbeit nicht und so entschied ich mich, in Deutschland zu bleiben. Später wollte ich meine Familie auch nach Deutschland bringen, aber ich hatte nicht genug Geld und so lebte ich alle diese Jahre in Deutschland alleine und meine Familie lebte in Kroatien.

Waren sie mit der Arbeit in Deutschland zufrieden?
Ja, mit der Arbeit war ich zufrieden. Die Vorgesetzten und die deutschen Arbeiter waren gut zu uns Ausländern. Der Deutsche machte keine Unterschiede zwischen den Arbeitern, für ihn waren alle Arbeiter gleich, die Nationalität spielte dabei keine Rolle, man schätzte gute, fleißige Arbeiter.

Hatten Sie viele Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache?
Ja, ich habe mich sehr viel mit der Sprache gequält. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht so viel Deutsch gelernt. Ich habe nur so viel gelernt, was nötig war, damit mich
niemand so leicht betrügen kann. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich auf Deutsch schreiben und lesen kann, das wäre eine Lüge. Das, was ich für meine Arbeit brauchte, habe ich gut gelernt aber anderes nicht. Ich hatte am meisten Schwierigkeiten mit der Aussprache. Wenn der Vorarbeiter mir sagte „Heute machst du 10 Kühlschränke von diesem Modell und 20 von dem anderen“, bemühte ich mich zu verstehen, was er von mir verlangte. Nicht nur in der Fabrik hatte ich Schwierigkeiten mit der Sprache, sondern auch im Leben allgemein, z. B. wenn ich in ein Geschäft kam und etwas brauchte, dann habe ich mit dem Finger auf diese Sache gezeigt (lacht). Erst nach zwei Jahren habe ich die Grundlagen gelernt und quälte mich mit der Sprache nicht so sehr.

Wie fühlten Sie sich in Deutschland?
Ich war traurig, fühlte mich wie ein Fremder. Ich fühlte mich so, als ob ich zu dieser Gesellschaft nicht gehöre. Ich fühlte mich als Angehöriger dieser Gesellschaft nur dann, wenn wir Ausländer uns alle
zusammen in einer Kneipe zu einem Getränk versammelten und Schnaps getrunken haben. Die Deutschen waren freundlich zu uns, da kann man gar nichts sagen.

Herr Ilija, sie haben vor dem Interview erwähnt, dass Sie nur drei Mal im Jahr ihre Familie besuchten. Warum haben Sie so selten ihre Familie in Kroatien besucht?
Ich konnte
sie nicht öfter besuchen. Pass auf, alle deutschen Arbeiter, die Kinder und Familie in Deutschland hatten, hatten Vorteil. Wir, also die Arbeiter, die keine Familie in Deutschland hatten, bekamen Urlaub nur zur Weihnachten, Ostern und während der Schulferien - falls es die Firma erlaubte. Wir, die Arbeiter, haben dagegen protestiert und dann wurde die Firma für zwei Wochen während der Schulferien geschlossen, so bestimmte es die Gewerkschaft. Die Arbeiter mit Frau und Kindern hatten große Vorteile, was den Urlaub angeht, gegenüber anderen Arbeitern, die keine Frau und Kinder hatten.

Wie fühlten Sie sich, nachdem sie nach so vielen Jahren endgültig in Ihre Heimat zurückgekehrt sind?
Nun
weißt du was, ich war glücklich wieder nach Kroatien zurückzukehren, als ich in die Rente ging. Ich lebe schon elf Jahre in Kroatien. Aber ich kann dir sagen, ich fand mich hier in Kroatien, nachdem ich so viele Jahre in Deutschland lebte, nicht zurecht. Wo immer ich auch hinkam, sagte man: “Komm morgen, wann immer ich auch kam, sagte man: “Komm übermorgen.“ Man kommt z. B. zum Doktor und dort ist alles besetzt. Alles schien so, als ob ich ein Ausländer wäre. Die Leute hier haben mich als einen Ausländer behandelt. Sie benahmen sich zu mir wie zu einem Ausländer genau so, wie man sich zu mir in Deutschland benahm. Das war genau so, darüber gibt es keine Rede. Ich muss gestehen, dass mir Deutschland, nach elf Jahren, die ich hier in Kroatien verbracht habe, fehlt. In ein paar Monaten werde ich meine Schwester, die in Deutschland lebt, besuchen, um mich an die alten Zeiten in Deutschland zu erinnern.

Herr Ilija, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!
Nein, ich dank
e dir! Die alten Leute lieben, viel zu sprechen!

Meine Zeit nach Deutschland

Von Nataša Agatić

Marina Glavota ist eine 38-jährige Hausfrau, die seit 1998 mit ihrer Familie in Osijek lebt. Sie ist eine von vielen, die im Jahr 1991 mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert ist, da in Bosnien der Krieg anfing. Sie erzählt uns von ihrem damaligen Leben in Deutschland. Wie das Leben in Deutschland war, wie es jetzt in Kroatien ist und warum es zum Umzug gekommen ist. Eins steht fest: es war für sie nicht leicht, zu erfahren Deutschland auf Wiedersehen sagen zu müssen.


Wie lange und wo haben Sie in Deutschland gelebt?
1991 bin ich mit meinem Mann und einem Kind nach Deutschland, bzw. nach Stuttgart gezogen. Vor dem Umzug lebten wir glücklich und zufrieden in Bosnien. Wir führten ein schönes Leben und uns hat nichts gefehlt. Doch dann kam es zum Krieg… Ein sehr guter Freund meines Mannes lebte schon in Stuttgart und er hörte von den Unruhen in Bosnien und lud uns zu sich nach Stuttgart ein. Da wir nicht viele Möglichkeiten hatten, beschlossen wir auszuwandern, besonders wegen unserem damals 4-jährigen Jungen. Also fing 1991 unser Leben in Stuttgart an und es endete 1998.

Wann und warum sind Sie nach Kroatien bzw. Osijek gezogen?
Im Jahr 1997 beschlossen die deutschen Behörden, dass es für die Flüchtigen aus Bosnien Zeit ist, in ihre Heimat zurück zu gehen. Wir bekamen einen Brief in dem alles stand; warum wir in unsere Heimat zurück gehen müssen, bis wann wir in Deutschland bleiben konnten, warum wir in den ganzen Jahren keine deutschen Bürger geworden sind. Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als ob es gestern war, an dem ich den Brief aufgemacht habe. Die Tränen kamen von ganz alleine… Wir sollen einfach so aus diesem Land gehen, das Teil unseres Lebens geworden ist. Wir hatten uns alles aufgebaut und wir sollten es einfach so verlassen… Real ist alles für uns geworden, als wir in Kroatien mit all unseren Sachen angekommen sind.

Wie fühlten Sie sich, als Sie erfahren haben, dass ihre Zeit in Deutschland zu Ende gekommen ist?
Wie gesagt, die Tränen sind von alleine gekommen als ich den Brief geöffnet habe und begriffen habe, um was es sich im Brief handelt. Ich habe den Brief ein paar mal gelesen um zu sehen ob ich träume oder es real ist. Mein Mann und ich haben uns darüber informiert um zu sehen ob es eine Möglichkeit gibt in Deutschland zu bleiben. Wir haben Vieles versucht, aber das Gesetz sagte seins. Die letzten Monate in Deutschland waren für mich sehr schwer. Mein Mann und ich arbeiteten mehr als sonst, denn wir wussten nicht was uns in Osijek erwartet. Wir wussten nur, dass wir in Osijek für ein paar Monate bei meinen Eltern leben würden. Doch dass Wichtigste war, positiv auf die Zukunft zu blicken.

War es für Sie sehr schwer, Ihr Leben, Ihre Freunde und Ihre Arbeit in Deutschland zu hinterlassen?
Es war sehr schwer. Wir mussten unser ganzes Leben in Deutschland liegen lassen und neu anfangen. Aber zum Glück hatten wir Zeit uns auf den Neuanfang vorzubereiten. Es ist nicht so, dass wir nie in Osijek waren. Wir besuchten in den Ferien unsere Eltern und gingen nach Bosnien, aber über ein Leben in Osijek haben wir uns nie Gedanken gemacht, wir dachten, dass wir in Stuttgart alt werden würden. Mein Mann und ich gingen ein paar mal vor dem Umzug nach Osijek, informierten uns wo es am besten sein würde zu leben, über die Arbeitssituation, die Schulen, Immobilien etc.

Wie sah Ihr Leben in den ersten Monaten in Kroatien aus?
Die ersten Monate waren alles andere als leicht. Das Erste, worum wir uns gekümmert haben, war die Schule für unsere Kinder. Sie sollten sich an ihr neues Leben gewöhnen und sich wohl fühlen. Meine gröβte Angst war es, dass sich meine Kinder nicht integrieren, aber es stellte sich heraus, dass sie es besser geschafft haben, als mein Mann und ich. Mein Mann fand sehr schnell einen Job, was uns sehr erfreute. Ich dagegen nicht. Meine Job war Hausfrau und Mutter zu sein. Es fiel mir sehr schwer, mich an diese Situation zu gewöhnen, denn in Deutschland arbeitete ich 7 Jahre lang. Noch dazu lebten wir bei meinen Eltern. Wir verstanden uns sehr gut, trotzdem mussten wir aufpassen, denn es war nicht unser Eigentum. Doch nach 2 Jahren, war unser Haus fertig und wir sind umgezogen.

Sie haben drei Kinder. Zwei von ihren Kindern haben in Deutschland mit ihrer Schulausbildung angefangen. Wie war es für sie in eine neue und anderssprachige Schule zu kommen?
Als wir erfahren haben, dass wir nach Kroatien umziehen werden, haben wir unsere zwei Kinder an der kroatischen Schule angemeldet. Da es in Deutschland sehr viele Flüchtlinge aus Bosnien gab, hatte man die Möglichkeit, seine Kinder 2 mal wöchentlich zu einem Kroatischkurs zu bringen. Also gingen sie ein Jahr lang dort hin und somit bereiteten sie sich ein bisschen auf ihre zukünftige Schule vor. Wir sprachen auch zu Hause Kroatisch, aber die Kinder sprachen mehr Deutsch, wegen ihrer Umgebung. Zum Glück haben sich unsere Kinder sehr schnell in Osijek integriert und neue Freundschaften geschlossen. Mit der Schule bzw. dem Lernmaterial hatten sie auch keine gröβeren Schwierigkeiten. Deswegen ist mir ein Stein von Herzen gefallen, da ich mir am meisten Sorgen um meine Kinder gemacht habe.

Wie wurden Sie in Osijek von ihrer Umgebung aufgenommen?
In den ersten paar Wochen habe ich mich mehr um meine Kinder gekümmert. Meine Eltern machten uns mit ein paar Nachbarn bekannt, aber so richtig kennengelernt hatten wir keinen. Erst nach zwei, drei Monaten hatten wir Anschluss zu unserer Umgebung gefunden. Mein Mann und ich befreundeten uns mit einem Nachbarspärchen und so erweiterte sich unser Freundeskreis. Mit einigen davon sind wir noch heute sehr gute Freunde. Man kann sagen, dass wir uns etwas später integriert haben, aber dafür sehr gute Freunde gefunden haben.

In Deutschland hatten Sie und Ihr Mann eine feste Arbeit. Wie war die Arbeitssituation nach dem Umzug nach Kroatien?
Es stimmt, in Deutschland hatten wir beide eine feste Arbeit. Ich als Verkäuferin in einem kleineren Geschäft und mein Mann als Busfahrer. Unser Einkommen war für uns genügend. Als wir nach Osijek kamen, hat mein Mann, mit Hilfe meines Vaters einen Job als Busfahrer gefunden. Ich dagegen war eine lange Zeit ohne Arbeit. Es war schwer für mich, da ich 7 Jahre lang in Deutschland gearbeitet habe. Ich habe nach einem Job gesucht, aber fand nichts. Nach 2 Jahren fing ich an als Verkäuferin zu arbeiten und tu es heute noch immer. Ich bin froh in dieser schwierigen Zeit eine Arbeit zu haben.

Welche gröβeren Unterschiede können Sie uns zwischen Deutschland und Kroatien nennen?
Der gröβte Unterschied ist in der Mentalität. Die Deutschen sind viel geschlossener und leben ihr Leben in den eigenen vier Wänden. Die Kroaten, dagegen sind viel offener und kommunikativer. In Kroatien ist es ganz normal, unangemeldet jemanden einen Besuch zu gestatten, in Deutschland regelt man das mit einem Anruf. Meiner Meinung nach ist es besser in Kroatien, was die Gesellschaft angeht. Das Einkommen war in Deutschland besser, aber wir sind glücklich, überhaupt eine Arbeit zu haben. Ich fühle mich besser, sicherer und freier in Osijek. Vielleicht ist es auch weil ich unter „meinen Leuten“ bin. (lacht)

Wenn Sie die Chance hätten wieder nach Deutschland zurück zu ziehen, würden Sie diese wahrnehmen?
Ich muss gestehen, dass ich öfters darüber nachgedacht habe. Ich bin zu keinem Entschluss gekommen. Warum ja und warum nein? Vielleicht hätten meine Kinder mehr Möglichkeiten für eine gute Karriere, aber wer weiss, wie wir jetzt in Deutschland leben würden. Doch in Kroatien bzw. in Osijek fehlt uns nichts, meine Familie und ich sind sehr zufrieden mit unserem jetzigen Leben. Im Groβen und Ganzen kann ich sagen, dass jedes Land seine positiven und negativen Seiten hat. Ich bin froh, dass ich vieles sehen und erleben konnte und eine anderes Land und seine Kultur kennenlernen konnte. Ich erinnere mich sehr gerne an die schöne Zeit in Deutschland, doch in Osijek will ich alt werden.

Illegale Schwarzarbeiter in Österreich
Erfahrungen der kroatischen Illegalen

Von Krešimir Klisurić

Ich besuche Frau NN, die während der letzen 15 Jahre illegal in Österreich gearbeitet hat. Sie hat mich für das Interview zu einem Kaffe bei sich zu Hause eingeladen. Als ich vor ihr Haus komme, überrascht es mich nicht, dass es ein zweistöckiges Neubauhaus ist. Der Rest des Grundstücks sowie das Haus sind sehr ausgiebig eingerichtet. Im Inneren finde ich eine ebenso ausgiebige Einrichtung vor. Ich setze mich zu Tisch und während die Frau einen türkischen Kaffee aufsetzt, kommen wir langsam ins Gespräch über ihren Auffenhalt und die Arbeit in Österreich.

Sie haben illegal in Österreich gearbeitet, soweit ich informiert bin?
Ja, dass ist schon richtig. Ich habe eine längere Zeit in Österreich verbracht und zwar illegal.

Sagen sie mir genau wie lange und als was sie gearbeitet haben?
Ich hab ungefähr von März 1995 bis Juni 2010 in Österreich gearbeitet. Es war nicht beim gleichen Arbeitsgeber, aber es war immer dieselbe Arbeit. Ich habe als Haushaltshilfe gearbeitet, in der Küche, im Haus putzen, bügeln oder auf dem Hof kleinere Tiere wie Hühner oder Hasen füttern. Es war an zwei verschiedenen Weinhöfen.

War die Arbeit schwierig?
Öfters war es schwierig, aber nicht direkt die Arbeit selbst, sondern vielmehr die Arbeitsgeber. Sie waren sehr anspruchsvoll und die Arbeitszeiten waren manchmal bis zu 12 Stunden.

Wieso waren die Arbeitszeiten so lang?
Da ich kein Visum hatte, musste ich alle zwei Wochen nachhause nach Kroatien gehen und dann zwei Wochen warten für eine Neueinreise. So war es mit dem Arbeitsgeber abgesprochen und auch mit einer anderen Frau aus Kroatien, die dort gearbeitet hat. Wir haben uns alle zwei Wochen abgewechselt. Aber um mehr zu verdienen, hab ich deshalb Doppelschichten gemacht.

Hat die Grenzpolizei niemals Verdacht geschöpft?
Doch. Öfters wurde ich nach dem Grund gefragt wieso ich ständig hin und her reise. Doch ich hatte Glück, dass mein Ehemann ein Arbeitsvisum hatte und dann war immer die Ausrede ich gehe ihn besuchen.

Aber wenn ihr Ehemann ein Arbeitsvisum hatte, wieso haben sie auch nicht eins beantragt?
Ich hatte zu Begin ein Familienvisum. Doch ich wurde erwischt wie ich Schwarzarbeit betreibe und mir wurde ein Arbeitsvisumverbot ausgesprochen. Ich konnte zwar noch einreisen aber nicht arbeiten.

Wie war es dann für sie in Österreich als Illegale zu leben?
Es war gut. Österreich hat auch einen guten Standard. Doch da war auch die ständige Angst, dass ich erwischt werde. Es gab einen Vorfall vor der Mietwohnung, die ich und mein Mann bezogen haben. Die Polizei ging von Haus zu Haus um sich zu erkundigen. Ich wusste das nicht und in den ersten Momenten, wo sie an meiner Tür waren, dachte ich es wäre meinetwegen. So eine Angst habe ich immer an der Grenze gehabt, jedes Mal wann ich Eingereist bin.

Jetzt haben sie auch meine nächste Frage gleich dazu beantwortet, aber was mich noch interessiert ist, ob es leichter war vor der EU nach Österreich einzureisen oder danach?
Es war definitiv leichter nach der Entstehung der EU, weil ich da nur eine Grenze passieren musste und zwar die von Slowenien. Die Angst war immer noch präsent aber nicht so wie früher. Auch der Euro hatte seine Vorteile, denn ich habe mehr verdient.

Haben sie Kinder? War es schwierig ohne sie zu leben und arbeiten in einem fremden Land?
Ja, ich habe drei Kinder. Die sind jetzt alle erwachsen, aber es war sehr schwierig. Zum Gluck hatte ich meine Familie, die mir geholfen hat in der Erziehung. Ich weiß nicht wie wir es anders geschafft hätten, aber das war halt der Preis, den ich zahlen musste, um meinen Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen, denn in Kroatien war die Situation besonders nach dem Krieg sehr schwierig. Ich hatte keinen anderen Ausweg als irgendwo im Ausland zu arbeiten.

Arbeiten sie immer noch oder sind sie jetzt die ganze Zeit zu Hause in Kroatien?
Mein Ehemann ist letztes Jahr in die frührente gegangen und jetzt sind wir dauerhaft in Kroatien. Seine Firma ist bankrot gegangen, doch er hatte zum Glück Anspruch auf eine Rente, sonst wären wir aufgeschmissen. Wir sind schon alt und hätten nur schwer Arbeit gefunden.

Jetzt noch am Ende eine Frage. Was können sie allgemein über die ganze Erfahrung sagen? Hätte etwas anders sein können?
Es war gut so, wie es war. Die Arbeit war schwer, aber ich konnte meinen Kindern alles bieten, was sie brauchten. Jetzt habe ich es umso leichter und wir können auch gut von der Rente meines Mannes leben. Ich wünsche mir nur ich hätte auch auf mein Arbeitsvisum gewartet, anstatt zu arbeiten und es dadurch für immer zu verlieren.

Die Zahl der illegalen Arbeiter, die überwiegend nur schwarz arbeiten, betrug 1995 75.000 Personen und stieg bis 2007 auf 102.000 Personen. Nach letzten Forschungen ist die Zahl der illegalen Arbeiter bis 2010 sogar auf 125 000 angestiegen. Viele meinen, dass es wegen der offenen Grenzen innerhalb der EU zu diesen Zahlen kommt. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Trend auch beibehalten wird. (APA OTS)

„Hier gibt es keine Korruption, keine Briefumschläge mit Geld und wir sind sehr gut behandelt.“

Von Martina Valenčak

Herr S., Gastarbeiter aus Kroatien, lebt schon 43 Jahre mit seiner Frau in Deutschland. Ob sie nach Kroatien zurückkehren werden, ist noch fraglich. Die Gründe dafür nannte er uns in diesem Interview.

Herr S., wie und wann hat alles angefangen? Wann und warum sind Sie nach Deutschland gegangen?
Das ist schon lange her, 1969, angefangen. Ich wollte arbeiten, aber im ehemaligen Jugoslawien war das für mich schwer. In meinem kleinen Dorf gab es gar nichts, keine Chance dafür. Ich sollte nach Zagreb oder nach Slowenien arbeiten gehen, aber dann habe ich entschieden: wenn ich schon von Zuhause weg bin, dann gehe ich nach Deutschland. Dort gab es viel Arbeit und sie war sehr gut bezahlt.

Was für Motive haben Sie dafür gehabt?
Zuerst wollte ich arbeiten um etwas Geld zu verdienen, sparen und Landmaschinen kaufen, weil ich in kleinem Dorf lebte, wo es nur Landwirtschaft gab.

Gab es Krisen, psychische oder irgendwelche? Hatten Sie Probleme, z.B. mit der Sprache? Wie sind Sie damit umgegangen?
Natürlich, es war schwer. Zuerst bin ich ins fremde Land gekommen, dann die fremde Sprache war ein Problem. Ich habe nur ein paar Worte verstanden und sprechen konnte ich gar nicht. Es gab noch ein paar Kollegen aus Jugoslawien, die Deutsch konnten, aber auch nicht viel. Ich habe in der Schule kein Deutsch gehabt. Ich habe mich aber engagiert, ein Wörterbuch gekauft und jeden Abend habe ich gelernt. Jeden Tag lernte ich Deutsch ein wenig, so brauche ich heute keinen Dolmetscher, der mir übersetzen sollte.

Wann war es am schwersten?
Am schwersten war es bei der Arbeit, auf Baustelle. Man verstand nicht was man tun sollte und bei Einkaufen musste ich dann mit Händen zeigen und viele falsche Worten verwenden, bis wir zum Ergebnis kamen. Dann war ich allein hier, ohne Familie. Ich habe meine Frau und ein Kind gehabt, die in meinem kleinen Dorf in Jugoslawien waren.

Haben Sie irgendwann gewünscht, nach Hause zu gehen?
Ja, natürlich wollte ich nach Hause für immer gehen. Zum Beispiel: nach drei Jahren habe ich Geld für Landmaschinen gehabt, aber dann sind andere Pläne gekommen. Ich wollte aus meinem kleinen Dorf wegziehen. Dann hat alles neu angefangen. Ein neuer Plan ist gekommen. In Nasice habe ich ein altes Haus gekauft und meine Familie nach Nasice gebracht. Dann haben wir das neue Haus zu bauen angefangen, aber dann meine Frau musste mit mir nach Deutschland gehen, weil das alles konnte ich nicht allein schaffen.

Wie waren die Leute in Deutschland?
Die Leute in Deutschland waren hilfsbereit. Sie haben auch Geduld gehabt, aber das war auch die Aufgabe von Arbeitgebern. Trotzdem haben wir oft schlechtere Arbeit bekommen, weil wir Ausländer waren.

Können Sie das Leben in Deutschland und in Kroatien vergleichen - damals und heute?
Wenn ich das Leben in Deutschland und auch in Kroatien damals und heute vergleiche, gibt es große Unterschied dazwischen - Kroatien ist viel nach vorne gekommen, aber Deutschland noch weiter.

Können Sie einige Vorteile und Nachteile des Lebens in Deutschland nennen.
Ich lebe noch immer in Deutschland. Hier bekomme ich meine Rente genau jeden ersten Datums im Monat und zwar im Voraus. Ich habe auch einen guten Hausarzt. Ja, nun Medizin ist auch gut und noch was: hier gibt es keine Korruption, keine Briefumschläge mit Geld und wir sind sehr gut behandelt.

Was würden Sie zukünftigen Gastarbeiter empfehlen?
Wenn es um Gastarbeiter geht, jeder soll selber entscheiden. Hier hat man etwas mehr Geld, aber fremdes Land ist fremd, wo auch Familie fehlt.


Ihrer Meinung nach, wird das Leben der kroatischen Gastarbeiter in Deutschland besser oder schlechter sein, nachdem Kroatien der EU beigetreten ist? Wird das Leben der Kroaten in ihrem eigenen Land besser sein?
Wenn Kroatien in die EU kommt, kommt einiges besser, zum Beispiel, es gibt keine Grenze. Wenn ich zurück denke, wie es am meinen Anfang war: Es gab so viele Grenzen und auf jeder Grenze musste man warten, und jedes Land hatte andere Währung. Aber wenn die sagen, dass die Arbeitgeber nach Kroatien Geld investieren sollen, und dass es viele neue Arbeitsplätze geben sollte, das passiert nur wenn Kroatien in die EU kommt. Natürlich das müssen die großen Politiker machen.

Haben Sie den Plan, nach Kroatien zurückzukehren? Warum?
Ja, ich will nach Kroatien zurückkehren, weil das meine Heimat ist und dort leben meine Kinder und Enkelkinder, aber den genauen Termin habe ich noch nicht.

Was passt Ihnen am besten in Deutschland? Was vermissen Sie dort am meisten?
Ich bin hier mehr sozial versichert und das ist der Hauptgrund warum wir noch in Deutschland leben. Obwohl wir unsere Familie vermissen, wie ich schon genannt habe, gibt es Sachen, die hier besser sind, aber es gibt auch Sachen, die hier schlecht sind. Es geht um ein Ziel, dass die ganze EU mal gleich kommen soll. Dann gäbe es so auch gleiche EU Bundesgesetze, das heißt, gleiche Rechte und Pflichte für alle in der ganzen Union, also auch wenn Kroatien das EU Mitglied wird. Wenn es passieren würde, wäre es ein Beweggrund für unsere Rückkehr.

Vielen Dank für das Interview Herr S.!
Nichts zu danken!


Rückkehren mal anders

Von Andrijana Azinovic

Vor der Philosophischen Fakultät in Osijek erwartet mich Ivan H.* Gemeinsam gehen wir in ein Kaffeehaus. Beim Kaffeetrinken, erzählt mir Ivan, weshalb er in die Schweiz zurückkehren will und wie er sich darauf vorbereitet.

Ivan, du hast in der Schweiz gelebt, wann war das und wie lange warst du dort?
Ich bin in der Schweiz geboren im Jahr 1987 in Jona-Rapperswil beim Zürichsee, das befindet sich im Kanton St. Gallen. Wir lebten dort 10 Jahre lang. Also 1997 kamen wir nach Kroatien zurück.

Wieso seid ihr zurück nach Kroatien?
Frag Papa Božo (lacht). Ich weiß nicht genau, es war ein Wunsch meines Vaters, dass wir zurückkehren, Heimatliebe halt. Aber zuerst fuhren meine Mutter, meine 2 Schwestern und ich nach Kroatien. Mein Vater blieb vorerst noch in der Schweiz um zu arbeiten. Nach 4 Jahren kehrte auch er endgültig in sein Vaterland zurück.

Wie hast du dich dabei gefühlt? Wolltest du zurück in die Schweiz?
Hm, ich war damals noch klein, habe darüber nicht nachgedacht was auf mich zukommt. Ich musste aber zweimal die dritte Klasse besuchen, da für mich am Anfang die kroatische Sprache nicht einfach war. Ich habe zwar schon mit meinen Eltern kroatisch gesprochen, aber das ist nicht das gleiche. Die Schule in der Schweiz ist viel leichter, als die in Kroatien. Auch das Leben hier ist anders als in der Schweiz. Ob ich in die Schweiz zurück wollte? (denkt nach) Darüber habe ich mir wohl keine großen Gedanken gemacht, ich war noch zu jung um das alles zu verstehen.

Du studierst zurzeit Germanistik und möchtest ja nach Abschluss des Studiums zurück in die Schweiz. Wann ist dir zum ersten Mal der Gedanke gekommen, dass du zurück in die Schweiz willst und warum?
Ja genau, ich möchte nach meinem Germanistikstudium in die Schweiz in den Kanton St. Gallen gehen. Zum ersten Mal kam der Gedanke im ersten Studienjahr. Ich habe bemerkt, dass alles an der Uni unorganisiert ist, und das nervt mich. In der Schweiz ist das anders, dort hält man sich an die Gesetze und die Vorschriften. Alles wird pünktlich eingereicht, nicht so wie hier. Zum Beispiel bekommt man das Diplom in der Schweiz sicher pünktlich nach dem Abschluss und nicht so wie hier nach zwei Jahren. Die Schweiz gibt eine bessere Sicherheit. Es gibt bessere Arbeitsmöglichkeiten als in Kroatien. Kroatien ist nicht ein Land für einen jungen Mann, der etwas aus seinem Leben machen will. Ich mag es nicht hier zu sein.

Nun kann man ja nicht einfach so in die Schweiz fahren und dort bleiben. Du brauchst ja eine Aufenthaltsbewilligung. Wie hast du dich informiert? An wen hast du dich gewendet um die nötigen Informationen zu erhalten?
Also ich habe im Internet gesucht. Bei Google habe ich Staatsangehörigkeit für die Schweiz eingegeben und da hat Google mehrere Seiten gefunden. Ich habe einige Seiten durchgesehen und schlussendlich die von Wikipedia geöffnet und dort fand ich die Adresse vom Bundesamt für die Migration in Bern. Dann habe ich eine Anfrage per Post an das Bundesamt für Migration Bern gesendet. Die haben mir so ca. nach drei Wochen geantwortet, dass es kantonale Unterschiede gibt und ich solle mich an den Kanton wenden, wo ich schlussendlich wohnen wolle. Ich habe dann erneut eine Anfrage gesendet und diesmal habe ich mich an das Migrationsamt St. Gallen gewendet. Die haben mir auch ca. nach einem Monat geantwortet, dass ich eine Arbeitsstelle finden muss und eine Wohnung. Auch haben sie mir noch Formulare mitgeschickt.

Was für Formulare sind das?
Sie haben mir ein Informationsblatt und einen Antrag für die Aufenthaltsbewilligung gesendet. Auf dem Informationsblatt werden die verschiedenen Aufenthaltsbewilligungen erläutert und was man alles noch benötigt um die Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

Und für welche Aufenthaltsbewilligung wirst du dich anmelden und was musst du alles noch beilegen?
Ich werde mich für die B-Aufenthaltsbewilligung anmelden. Es ist eine Bewilligung die für über ein Jahr ist. Beilegen muss ich einen Arbeitsvertrag, ein Lebenslauf, Diplome und Zeugnisse, Kopie eines gültigen Reisepasses, Strafregisterauszug, Nachweis erfolgloser Suchbemühungen um eine hochqualifizierte Arbeitskraft im Inland und in den EG/EFTA-Staaten sowie eine Begründung durch den Arbeitgeber für den Bedarf einer ausländischen Arbeitskraft.

Wie wirst du jetzt vorgehen? Suchst du dir eine Arbeitsstelle und eine Wohnung? Denn das ist ja eine Voraussetzung damit du überhaupt in die Schweiz auswandern kannst.
Genau. Zuerst möchte ich mein Germanistikstudium beenden. Dann im April/Mai möchte ich gerne in die Schweiz fahren um dort eine Arbeitsstelle zu finden. Ich habe mich schon ein bisschen erkundigt und ich habe da schon einiges in Aussicht. Es spielt keine Rolle was für Arbeit ich bekomme, Hauptsache ich kann dort Arbeiten. Es würde mir nichts ausmachen, wenn ich auf einer Baustelle arbeiten müsste. Es wäre ja auch naiv von mir zu glauben, dass ich gleich einen Bürojob mit Aussicht auf den Zürichsee erhalte. Was die Wohnungssuche betrifft, da werde ich noch ein bisschen warten müssen, da ich ja nicht genau weiß wo ich eine Arbeitsstelle erhalten werde. Daher werde ich zuerst bei meinen Verwandten wohnen, bis ich Fuß gefasst habe. Und wenn ich den Arbeitsvertrag in der Hand habe, werde ich das Formular ausfüllen und an das Migrationsamt senden.

Hast du Angst davor, dass du keine Arbeit findest oder vom Amt sogar abgewiesen wirst?
Nein. Wenn sie mich abweisen, dann warte ich auf das Jahr 2013, dann ist Kroatien in der EU, dann wird das einfacher sein. Oder ich versuche es in Deutschland.

Was mich noch zum Schluss interessiert, wenn das mit der Aufenthaltsbewilligung klappt, was ich für dich natürlich hoffe, möchtest du dann für immer dort bleiben oder nur ein paar Jahre?
Ich würde bis zu meiner Rente in der Schweiz bleiben, dann zurückkehren aber zuerst würde ich nach Dalmatien fahren und um dort einige Zeit das Meer zu genießen.

Ivan, ich danke dir für das tolle Interview und wünsche dir viel Erfolg bei der Arbeitssuche und hoffe, dass dein Wunsch zurück in die Schweiz zu ziehen, in Erfüllung geht.

* Name geändert

Deutschland- die neue, bessere Heimat

Von Stana Pavić

Wir befinden uns in dem kleinen Dorf Potočani in Bosnien, im Haus des 60-jährigen Grgo Ivelj, der 33 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Deutschland wurde seine neue Heimat. Jetzt ist er seit 8 Jahren wieder in seiner alten Heimat und berichtet uns von seinem Leben in Deutschland.


Guten Tag Herr Ivelj! Sie sind in Bosnien geboren, aber Sie lebten von 1971 bis 2004 in Deutschland. Sie sind vor 8 Jahren wieder nach Bosnien gezogen. Warum haben Sie überhaupt Bosnien verlassen, was hat Sie bewogen, ausgerechnet nach Deutschland zu gehen?
In einem Wort: Geld. Ich wollte Geld verdienen – und danach wieder in die Heimat zurückzukehren. Meine Frau und ich hatten in Bosnien kein Geld. Wir konnten keine Arbeit finden. Meine Frau war schon vor mir in Deutschland, sie arbeitete dort als Putzfrau, und als sie nach Bosnien zurückgezogen ist, ging ich nach Deutschland. Mein Bruder, der auch in Deutschland war, hat mir einen Job in einer Textilfabrik in Stuttgart verschafft.

Was waren ihre ersten Eindrücke, als Sie nach Deutschland kamen. Haben Sie Unterschiede zwischen Deutschland und Bosnien bemerkt?
In Deutschland sah ich Sachen, die ich nie zuvor gesehn habe. Alles war groß, schön, ausgebaut und organisiert. In Bosnien lebte ich mein ganzes Leben lang in dem kleinen Dorf Potočani. Und jetzt auf einmal befand ich mich in einer der gröβten Städte Deutschlands. Ich fühlte mich allein, aber auf der anderen Seite auch sicher. Ich habe mich sehr schnell an alles gewöhnt.

Hatten Sie Probleme mit der deutschen Sprache?
Ja, ich hatte Probleme. Ich kannte kein einziges deutsches Wort. Aber die Arbeit, und die Mitarbeiter haben mir geholfen, die Wörter, die ich in der Arbeit brauche, zu lernen. Sie alle hatten Geduld mit mir. Später habe ich einen Kurs besucht um Deutsch zu lernen. Der Kurs dauerte drei Monate. Ich kaufte auch Kassetten, um Deutsch zu Hause nach der Arbeit zu lernen. Nach einiger Zeit konnte ich sehr gut Deutsch Sprechen.

War es für Sie schwer, dort ohne Ihre Frau und drei Kinder, die in Bosnien geblieben sind, zu leben?
Das war die schli
mmste Sache für mich. Ich dachte die ganze Zeit an sie. Wir hatten kein Telefon, so dass wir uns gegenseitig Briefe schrieben. Aber ich wusste, dass es so sein muss und dass ich eines Tages mit Geld zurückkommen werde. Aber ich blieb nicht nur 4 Jahre wie geplant, sondern 15 Jahre war ich dort allein. Ich wusste, dass ich keine Arbeit finden würde wenn ich zurückkäme. Ich wollte auch meinen Kindern die Ausbildung bezahlen. Ich besuchte meine Familie 2-3 Mal im Jahr. Nach diesen 15 Jahren kam auch meine Frau mit dem jüngsten Kind nach Deutschland, sie hatte wieder einen Job als Putzfrau gefunden. Wir haben beschlossen, bis zur Pension in Deutschland zu bleiben. Und diese Zeit war die schönste Zeit meines Lebens. Meine Töchter kamen nicht nach Deutschland, sie studierten in Kroatien, aber wir sahen uns oft.


Fühlten Sie sich integriert?
Ja, ich muss sagen, ich fühlte und habe mich integriert. Ich habe mich schon sehr früh in Deutschland wohl gefühlt. Ich gewöhnte mich an alles. Die Deutschen haben mich sofort gut aufgenommen und wir wurden in die Gesellschaft integriert. Ich verdiente Geld, war zufrieden mit der Arbeit, und konnte meine Kinder in die Schule schicken. Wenn meine Frau und mein Sohn kamen, fühlte ich mich noch besser. Bosnien habe ich überhaupt nicht vermisst. Wenn meine zwei Töchter noch bei uns gewesen wären, wäre alles perfekt gewesen.

Wie wurden Sie am Arbeitsplatz behandelt? Sind Sie der Meinung, dass Sie gut bezahlt wurden?
Sehr gut. Wie ich schon sagte, am Anfang hatte ich Probleme mit der Sprache, aber alle Arbeiter und der Arbeitgeber haben mir geholfen. Sie haben mir beigebracht, Deutsch zu sprechen und sie waren sehr geduldig mit mir. Ich habe sehr viel gearbeitet, sogar 14 Stunden am Tag und auch an Wochenenden. Ich wurde dafür sehr gut bezahlt, was mir die Kraft gab, noch mehr zu arbeiten, denn ich wusste, dass ich das Geld meiner Familie geben würde. Man kann sagen, dass, so viel wie man arbeitete, so viel Geld bekam man auch. Ich bin der Meinung, dass ich gut bezahlt war.

Wann sind Sie in Pension gegangen und warum?
Ich hätte mit 65 in die Pension gehen sollen, aber ich bin 5 Jahren früher gegangen. Ich wollte ein bißchen mein Leben in Deutschalnd mit meiner Frau genießen. Ich lebte 30 Jahre in Deutschland. Mein halbes Leben verbrachte ich dort und ich war der Meinung, dass ich es verdient hatte, mein Leben dort auch ein bißchen zu genießen. Ich wartete, bis meine Frau in die Pension konnte, so dass wir zusammen nach Bosnien zurückkehren können.

Haben Sie etwas Schlechtes in Deutschland erlebt, woran Sie sich noch immer erinnern?
Nichts wofür ich Deutschland beschuldigen kann. Wie Sie sehen können, ich bin ein Invalide. Nachdem ich zwei Jahren in der Pension war, erlebte ich einen Schlaganfall. Ich habe nie geraucht oder Alkohol getrunken, aber was kann man..., das war mein Schicksal. Mit der ganzen linken Seite meines Körpers kann ich nichts fühlen. Ich kann nur Gott danken, dass, wenn es schon passieren musste, es in Deutschland passierte. Die Krankenhäuser in Deutschland sind besser. Allgemein ist alles besser organisiert und ich fühlte mich sicher. Mit 65 kehrte ich mit meiner Frau zurück nach Bosnien. Mein Sohn und seine Frau blieben in Deutschland, und sie leben dort noch immer.

Sie haben Vieles erlebt und durchgemacht, wie fühlen Sie sich jetzt, wie unterscheidet sich jetzt ihr Leben von dem in Deutschland?
Ich kann nicht sagen, dass ich in diesem Moment meines Lebens glücklich bin. Ich denke, dass meine Krankheit einer der Hauptgründe dafür ist. Wenn ich gesund wäre, wäre alles anders. Jetzt, wo ich endlich zu Hause bin, in Bosnien, und hier mit der deutschen Pension leben kann, bin ich an das Haus gebunden und kann nirgendwo hingehen. Meine Frau und ich leben hier alleine und ohne sie könnte ich nicht leben. Was den Unterschied zwischen Deutschland und Bosnien angeht, er ist so groß, dass es keinen Sinn macht, darüber zu sprechen. In Bosnien erlebte ich meine Jugend, und jetzt erlebe ich hier mein hohes Alter. In Deutschland erlebte ich die besten Jahre meines Lebens, vor allem als meine Familie mit mir dort war und ich kann dem Land nur dankbar sein für alles, was es mir ermöglichte. Ich vermisse das Leben dort.

Das bessere Leben in Österreich
Von Mia Hocenski

Herr Željko Dreiseidl, können Sie mir bitte sagen, weshalb sie sich für den Beruf eines Zahnarztes entschieden haben?
Ich habe mich wirklich zufällig für den Beruf des Zahnarztes entschieden. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren.

Wo haben Sie studiert?

In Zagreb.

Ist Zagreb auch ihr Geburtsort?

Nein, nein, ich wurde in Osijek geboren.

Und nachdem sie ihr Diplom im Zagreb bekamen, warum haben Sie sich entschieden nach Österreich zu gehen und nicht nach Deutschland oder vielleicht in Kroatien zu bleiben?
Ich habe zuerst 6 Jahre in Osijek gearbeitet, und weil ich mit der Arbeitsbedingungen und der Entwicklung dieses Berufes in Jugoslawien nicht zufrieden war, ging ich nach Österreich. In Bruck an der Mur bekam ich den ersten Job als Zahnarzt und dann bin ich dort hingezogen. Einige Jahre später habe ich eine private Ordination geöffnet.

Gingen Sie allein nach Bruck an der Mur?
Nein, ich ging mit meiner Frau.


Und, wo haben Sie Deutsch gelernt?
Meine Großeltern sprachen Deutsch und ich hörte es regelmäßig zu Hause, aber gelernt habe ich es im Gymnasium.

War es am Anfang schwer in Österreich zu arbeiten?
Nein, es war wirklich nicht schwer, die Menschen dort sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Gingen Sie regelmäßig nach Kroatien zum Besuch?
Ja schon, alle zwei Wochen. Ich wollte meine Familie regelmäßig besuchen.

Hatten Sie Unterstützung von ihrer Familie?

Ja.

Haben Sie in Österreich schnell Freunde gefunden?
Eigentlich nicht so schnell, aber der Grund dafür war, dass ich eigentlich nicht viel Freizeit hatte, und wenn es Freizeit gab, war ich mit meiner Frau und meinem Sohn zusammen.

Wie lange leben Sie schon in Österreich?

Jetzt sind es schon 23 Jahre.

Und arbeiten Sie viel?
Eigentlich schon, sehr viel.

Haben Sie geregelte Arbeitszeiten?
Ja.

Ihrer Meinung nach, würden Sie in Kroatien auch so viel Arbeit mit dem gleichem Beruf haben, wie sie jetzt in Österreich haben?
Ich glaube nicht. Österreich ist ein stabiles Land, es wird viel Leistung von dem Beruf des Zahnarztes erwartet und wie sie schon wissen, was nicht nur für Deutschland sondern auch für Österreich gilt - Ordnung muss sein und das gefällt mir.

Leben Sie heute noch in der gleichen Stadt in Österreich?

Ja.

Denken Sie, dass das Leben in Österreich besser ist als in Kroatien? Wieso?
Ja, schon. Wie ich schon gesagt habe, Österreich ist stabil, es hat stabile wirtschaftliche Verhältnisse, weniger Kriminalität, die Arbeitsverhältnisse und die Arbeitsbedingungen sind ganz transparent und viel besser.

Sind ihre Frau und Sohn zufrieden und froh, dass sie in Österreich leben?
Das sollten sie meine Frau und meinen Sohn fragen, aber ich glaube schon.

Denken Sie, dass sie eines Tages wieder nach Kroatien zurückkehren werden?
Ja sicher, aber nur als Rentner.

Herr Dreiseidl, vielen Dank für das Interview!

Zurück in die Zukunft

Von Danijela Vrhovac

Wir befinden uns in dem kleinen, gemütlichen Urlaubshaus des 60-jährigen Marko Juric, der schon seit 20 Jahren Lastwagenfahrer ist. Nach vielen Jahren ist sein Wunsch erfüllt und er hat sein Familienhaus in Bosinien wieder aufgebaut.

Guten Tag, Herr Juric! Wie ist das Gefühl nach so vielen Jahren wieder im eigenen Haus zu sein?
Grüβ Gott! Das Gefühl ist unbeschreiblich, ich kann es noch nicht fassen, dass ich im Haus sitze wo ich geboren und aufgewachsen bin. So viele Jahre war ich nicht hier, dass ich es kaum glauben kann. Man kann nie wissen, was das Leben mit sich bringen wird.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie nach Deutschland gegangen sind?
Es war Anfang der 70-er Jahre, meine Schwester ist vor mir nach Deutschland gegangen um dort zu arbeiten und nach einiger Zeit hat man mir dort auch eine Arbeit angeboten, denn Deutschland brauchte Arbeitskraft und wir brauchten Geld. Da man in Bosnien nur Bauer sein konnte, haben ich und meine Frau nicht lange gezögert.

Wie war diese Erfahrung?
Schwer! Allein in einem fremden, groβen Land... Es war schön, für die Familie verdienen zu können, aber es war schwer von ihnen getrennt zu sein. Lange Zeit brauchten wir, um uns daran zu gewöhnen. Man musste die Sprache lernen und das war nicht leicht. Wir mussten viel arbeiten, um uns anzupassen, wir lebten in Wohngemeinschaften, mussten eine neue Kultur annehmen... Wir mussten einfach begreifen, dass jetzt Deutschland unsere Heimat ist. Ein sehr schwerer Anfang.

Waren Sie glücklich?
Einigermaβen! Wie ich grade sagte, ich konnte meiner Familie helfen, sie waren unter den Wenigen, die in Bosnien einen Fernseher, eine Waschmaschine und Jeans hatten. Es klingt komisch, aber so war es. Leute, die im Feld arbeiteten, hatten kein Geld um sich so etwas zu leisten. Doch es gab auch Negatives, weil wir nach einem Jahr ein Kind bekamen und wir mussten es bei meiner Schwester in Bosnien lassen, um arbeiten zu können. Nach einem Jahr bekamen wir das zweite Kind und von diesem mussten wir uns auch trennen. Das war die schwerste Entscheidung. Daher war das kein Glück, aber es musste so sein.

Wie lange dauerte diese schwere Phase?
Gegen 15 Jahre, da kamen auch meine Kinder nach Deutschland. Sie gingen dort in die Mittelschule. Da fing das Glück an, als wir zusammen waren. Wenn sie nicht gekommen wären, hätten sie kein Visum bekommen und hätten dann nicht in Deutschland bleiben können. Das war kurz vor dem Krieg, da kam die Rückkehr nach Bosnien nicht in Frage und Deutschland wurde unsere zweite Heimat. Mit dem Krieg kamen viele von unserer Familie hierher und dann war das Leben angenehmer.

Wie kam es, dass Sie Ihr Haus erst nach so vielen Jahren wieder aufgebaut haben?
Nach dem Krieg war alles bis zum Boden zerstört und man fühlte sich dort nicht sicher. Es war schwer einfach dorthin zu gehen und so was zu sehen. Es tat weh. Als wir zum Urlaub kamen, hatten wir Unterkunft bei der Familie und so mussten wir nicht zu unserem Haus gehen. Jetzt nach so vielen Jahren haben wir Kraft gefunden und unseren Wunsch erfüllt. Er war schwer anzufangen, doch als das überwunden war, ging alles wie von selbst.

Was wird weiter aus Ihrem Leben?
Schön ist es in Deutschland, dass ist ja unsere zweite Heimat. Aber ich hoffe, dass wenn ich in ein Paar Jahren in Rente komme, hierher züruckzukehren werde. So eine Ruhe und Schönheit wird mir gut tun. Meine Kinder sind versorgt und ich möchte meine Nostalgie nachholen. Ich denke, dass ich es verdient habe.

Herr Juric, ich danke Ihnen für diese Erzählung und wünsche ihnen noch viele schöne Jahre in ihrem Haus.

Viele Menschen hier haben vergessen, warum sie eigentlich leben.

Von Tomislav Hajduković

Es ist Donnerstagmorgen und ein gewöhnlicher Arbeitstag an der Universität Karlsruhe. Es ist 8:30 Uhr. Das morgendliche Sonnenlicht erhellt den Raum, frisch gebrühter Kaffee steht auf dem Schreibtisch und mir gegenüber sitzt Dalma Horvat (Name geändert, Anm. d. Red.), vor kurzem noch Studentin, heute diplomierte Bauingenieurin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informationsmanagement im Ingenieurwesen. Bereit auf meine Fragen zu antworten, sitzt sie mit gefalteten Händen in ihrem Bürostuhl und wippt entschlossen hin und her. Dalma Horvat ist kroatischer Nationalität und lebt seit 1991 in Deutschland, wo sie mit ihrem Sohn, als der Kroatienkrieg ausbrach, Zuflucht suchte. Vor dem Krieg in Kroatien hat sie schon einige Erfahrungen in der Arbeitswelt gesammelt und kann diese den heutigen Erfahrungen in Deutschland gegenüberstellen.

Guten Morgen Frau Horvat. Beschreiben Sie uns doch einen normalen Arbeitstag am Institut!

Als erstes muss ich meine E-Mails checken und beantworten. Heutzutage benutzt auch in der Arbeitswelt jeder die Vorteile, die das Internet bietet. Alle Geschäftspartner und Kollegen nutzen E-Mail als Hauptkommunikationsmittel. Sonst widme ich etwa die Hälfte der Arbeitszeit der Lehre und den Studenten, bereite und halte die Vorlesungen, Übungen und Praktika, die nach dem Stundenplan in der laufenden Woche stattfinden. Fast jederzeit stehe ich den Studenten für ihre Fragen zur Verfügung. Die andere Hälfte der Arbeitszeit besteht aus der Arbeit an aktuellen Projekten. In der Mittagspause gehe ich mit Kollegen in unsere „berühmte“ Mensa, oder irgendwo anders hin. Manchmal treffe ich mich auch mit Freunden in dieser Zeit.

Mögen Sie ihren Job? Was sind die Vor-und Nachteile in ihrer Arbeit?
Ja, ich mag meinen Job. Man könnte sagen, alles ist locker hier. Unser Lehrangebot ist sehr breit gefächert und interessant. Und generell, die Arbeit mit jungen, klugen und motivierten Leuten macht Spaß. Ein Nachteil bei dieser Arbeit ist, dass die Tätigkeiten nicht immer sehr praktisch bezogen sind und dass von einem erwartet wird, irgendwann mal die Doktorarbeit abzugeben und zu promovieren.

Sind Sie der Meinung, dass Sie im Vergleich zu Anderen gut bezahlt sind? Wie sind im Vergleich dazu die Löhne in Kroatien? In Moment ist die Situation im Bauwesen in Deutschland sehr schlecht, sodass die Gehälter in der freien Wirtschaft denen an der Uni entsprechen, oder sogar kleiner sind. Normalerweise verdient man größeres Geld „draußen“ in der Ingenieurpraxis. Ein Vergleich mit der Vergütung in Kroatien macht keinen Sinn, da dort eine ganz andere wirtschaftliche Lage herrscht. Natürlich verdienen wissenschaftliche Assistenten in Kroatien weniger als die in Deutschland, genauso wie auch die Ingenieure in der Wirtschaft.

Haben Sie genug Freizeit neben ihrem Job? Wie viele Tage im Jahr haben Sie frei? Finden Sie, dass im Bezug auf die Arbeitsstunden in Kroatien gegen die Arbeiterrechte verstoßen wird?
Es bleibt mir nicht so viel freie Zeit. Manchmal muss ich die Vorlesungen an Wochenenden vorbereiten. Vertraglich habe ich eine 40-Stündige Arbeitswoche und 30 Tage Urlaub im Jahr. Ich würde eher sagen, dass in Deutschland gegen die Arbeiterrechte der Ingenieure verstoßen wird, denn im Ingenieurwesen werden heutzutage Überstunden und Arbeit an Feiertagen und Wochenenden nicht bezahlt, sondern als selbstverständlich angesehen. Es wird einfach erwartet, dass die Arbeit ohne Vergütung gemacht wird. Ich denke, in der Arbeiterwelt gibt es feste Arbeitszeiten. Man weiß, wann Feierabend ist und die geleisteten Überstunden werden angerechnet. So, wie ich es in Erinnerung habe als ich in Kroatien gearbeitet habe, betrug die Arbeitszeit dort acht Stunden am Tag, einschließlich einer halbstündigen Pause, die vom Arbeitgeber ebenso bezahlt wurde. In Deutschland wird die Pause nicht bezahlt. Üblicherweise dauert die Pause eine Stunde, was schon im Voraus bedeutet, dass man mindestens neun Stunden täglich in der Arbeit bleiben muss.

Meinen Sie, dass Arbeit und Wohlstand in Deutschland im Gegensatz zu Kroatien zu groß geschrieben werden? Vergessen die Menschen dabei zu leben? Gibt es viele Workaholics?
Wohlstand in Deutschland ist nicht mehr das, was es früher war. Viele Menschen hier haben vergessen, warum sie eigentlich leben. Ja, es gibt viele Workaholiker. Das heißt nicht unbedingt, dass sie mehr und besser arbeiten als die anderen, sondern dass sie mit sich selbst nichts Besseres anfangen können, als bis spät in die Nacht in der Arbeit zu bleiben. Bei vielen Menschen ist der Grund, dass sie keine Familie und auch keine Freunde haben.

Sind Ihrer Meinung nach die Aufstiegschancen in Deutschland besser als in Kroatien? Ja, das denke ich. Ich musste während meines ganzen Studiums für Lebensunterhalt arbeiten und da ich mich alleine um zwei Kinder kümmern musste, konnte ich nicht eine der ganzen Aufstiegschancen, die mir angeboten wurden, wahrnehmen. Als alleinerziehende Mutter und ohne Unterstützung der Familie ist man in Deutschland ziemlich aufgeschmissen… Sonst finde ich, dass es für die Studierenden in Deutschland an den Universitäten eine viel bessere Infrastruktur gibt, als in Kroatien, viel mehr Austauschprogramme, Auslandssemester, Sport- und Lehrangebote, Jobangebote für Studenten und Absolventen, Freizeitaktivitäten, Sprachkurse usw.

Wie haben Sie es als Flüchtling und Frau geschafft sich in der Arbeitswelt durchzusetzen und sich eine Existenz zu schaffen? Eigentlich hatte ich damit keine Probleme. Ich musste bloß lange darauf verzichten, zu arbeiten, da ich zu Hause zwei Kinder hatte und nicht den ganzen Tag von morgens bis abends in der Arbeit verbringen konnte. Als die Kinder aber alt genug wurden, konnte ich ohne Probleme arbeiten gehen und mich um meine Karriere kümmern. Dass ich Flüchtling bin und auch noch Frau hat mich nicht großartig negativ beeinflusst.

Gibt es an Ihrem Arbeitsplatz Diskriminierung in irgendeiner Form? Haben sie Erfahrungen damit gemacht? Wie nehmen Sie die Situation in Kroatien wahr? Sind Menschen in Kroatien öfter solchen Ungerechtigkeiten ausgesetzt?
Eine Frau ist im Ingenieurberuf öfter der Diskriminierung ausgesetzt, sowohl in Deutschland, als auch in Kroatien. Man glaubt einer Frau einfach nicht, dass sie gut ist. Wenn sie tatsächlich gut ist, dann sind die Kollegen und Vorgesetzten oft in ihrem Ego verletzt und gekränkt, genauso wie auch die Ehemänner zu Hause. Leider habe ich diese Erfahrung schon so oft machen müssen.

Was für Privilegien haben Arbeiter in Deutschland, was den Arbeiterschutz und ihre Rechte angeht, im Gegensatz zu Kroatien? Grundsätzlich sind die Maßnahmen zum Arbeiterschutz und ihrer Sicherheit in Deutschland besser als in Kroatien. Uns an der Universität betrifft das jedoch weniger, deshalb macht es wenig Sinn, an dieser Stelle davon zu reden.

Wo würden Sie lieber arbeiten? Argumentieren Sie!
Man arbeitet gerne in einem guten Kollegenteam und gutem Arbeitsklima. Ebenso wichtig ist, dass man das arbeitet, was man liebt und die Arbeit einem Spaß macht. Wichtig ist auch, dass man sich bei der Arbeit in lichten und gut gelüfteten Arbeitsräumen aufhält, dass man den Arbeitsplatz gut erreichen kann, dass man von den Vorgesetzten befördert und human behandelt wird, sich die Arbeits- und Freizeit selbst einteilen kann und dass die Bezahlung einigermaßen stimmt. Ich denke, so einen Arbeitsplatz zu finden ist ein außerordentliches Glück, und hängt nicht davon ab ob man in Deutschland oder in Kroatien ist.

Vielen Dank für das Interview, Frau Horvat! Nichts zu danken!

Das internationale Leben einer Lehrerin

Tihana Mudrovčić



Frau Gal, Sie sind eine Deutsch- und Englischlehrerin. Können Sie ihre bisherige Karriere beschreiben?
Ja. Ich habe Anglistik und Germanistik in Osijek studiert, und jetzt arbeite ich in einem Gymnasium. Vorher habe ich auch in verschiedenen Schulen gearbeitet. Ich habe sowohl Englisch als auch Deutsch unterrichtet. Ich habe mich auch ab und zu mit dem Übersetzen beschäftigt, und habe einen Teil der Encyclopedia Britannica vom Englischen ins Kroatische übersetzt. Ich arbeitete auch als Rezeptionistin in einem internationalen Hostel in Budapest. Da habe ich jeden Tag Englisch und Deutsch benutzt, aber auch ein bisschen Ungarisch gelernt.

Sind Sie mit ihrem Beruf zufrieden?

Ja, ich genieße meinen Beruf sehr. Ich würde sagen, dass ich einen perfekten Job habe. Man ist mit vielen Leuten in Kontakt, man lernt immer was Neues, man hilft vielen Kindern, etwas Wichtiges zu lernen, und man hat oft sehr viel Spaß. Mir gefällt besonders, dass ich nicht acht Stunden in der Schule sein muss, sondern einen Teil meiner Arbeit alleine zu Hause in Ruhe machen kann. Lehrer haben auch viel Ferien. Ich finde die Sommerferien perfekt, denn ich kann die Hitze nicht leiden, und ich fände es unheimlich schwer, bei 30 Grad zu unterrichten. Und auch neue Freundschaften entwickeln sich und man geht manchmal auf Reisen, ins Theater, und arbeitet an interessanten Projekten. Das Schönste ist aber, wenn dich ein Schuler als Vorbild sieht und in dir Inspiration findet, das Gleiche zu studieren.

Viele sagen, dass es sehr anstrengend ist, in einer Schule zu arbeiten. Finden Sie das auch?

Meistens ist es nicht anstrengend. Ich denke, es kommt darauf an, wie man für den Job geeignet ist. Wenn man Kinder nicht mag, dann kann man oder will man sie nicht verstehen, und dann ist alles schwieriger. Es gibt manchmal Kinder, die Probleme haben, und den Unterricht stören, und das kann einen wirklich erschöpfen. Und natürlich, am Ende des Jahres gibt es manchmal viel Stress, weil man immer einsieht, dass noch so viel in weniger Zeit getan sein muss.

Können sie den Tag einer Lehrerin beschreiben?
Lehrer haben keinen typischen Arbeitstag. Jeder Tag ist anders. An einem Tag kann man 5 Stunden arbeiten, und am anderen nur 1 Stunde. Man bereitet sich auch zu Hause oder in der Schule vor. Es gibt noch administrative Aufgaben und verschiedene Sitzungen. Manche Lehrer arbeiten auch am Samstag.

Lohnt es sich überhaupt, Ihrer Meinung nach, hier in Kroatien zu arbeiten?

Natürlich. Die meisten Kroaten wollen hier leben und arbeiten. Aber es ist nicht immer leicht, eine Arbeit zu finden. Wenn jemand ehrgeizig ist, und mehr lernen oder erleben will, ist die beste Lösung, im Ausland zu arbeiten. Man muss da nicht für immer bleiben, denn jede Erfahrung hilft.

Sie lebten auch im Ausland. Wo? Haben sie dort gearbeitet oder?

Ja, ich habe in Kanada gelebt. Ich habe das Land und die Leute sehr gut kennengelernt. Leider konnte ich als Besucher nicht legal arbeiten. Ich habe auch probiert, ein Arbeitsvisum zu bekommen, aber der Prozess ist unheimlich kompliziert, und ich habe diesen Versuch aufgegeben.

Können sie die Umstände in Kroatien mit den Umständen in Kanada vergleichen?

Das Leben und die Leute sind anders als hier. Dort ist jeder sehr selbstständig. Viele arbeiten schon als Teenager, und fast jeder arbeitet als Student. Die Regeln sind nicht so strikt wie hier. Das Studium kostet sehr viel, deswegen arbeiten viele Studenten. Sie haben auch 3-5 Fächer pro Semester, und weniger zu lernen, als wir in Kroatien. Das gleiche passiert in den Schulen. Man lernt nicht so viele Tatsachen wie hier. Alle Schulen sind gleich, also man spezialisiert sich erst an der Uni. Meistens bedeutet ein Universitätsdiplom nicht viel, also studieren die meisten weiter, um einen guten Job zu bekommen. Studenten arbeiten meistens als Kellner, Köche, Verkäufer, und viele andere Jobs, für die sie keine Ausbildung brauchen, was in Kroatien nicht der Fall ist. In Kroatien ist es deswegen viel schwieriger eine Arbeit zu finden, weil man nur den Job machen kann, für den man ein Diplom hat. Jobinterviews sind auch sehr anders. In Kroatien ist es genug, den Lebenslauf zu schicken, um als Lehrerin einen Job zu bekommen. In Kanada dauern Interviews eine Stunde oder sogar länger, was ich selbst erlebt habe. Man wird eine Menge persönlicher Fragen gefragt, was ich nicht so professionell finde. Ich finde Kroatien besser, denn es ist wirklich nicht wichtig, wo ich lebe und welche Filme ich mag.
Menschen in Kanada sind viel kälter als Kroaten. Familienmitglieder sind nicht so eng und Leute generell mischen sich nicht in das Leben anderer. Manchmal hat man das Gefühl, das man nicht interessant ist, aber mit der Zeit lernt man, dass sie nur so tun. In Kroatien nervt das Gegenteil manchmal, wo man zu viel tratscht und alles über alle wissen will. Etwas, was mir überhaupt nicht gefallen hat, ist dass die Leute sehr materiell sind. Das Geld ist sehr wichtig und arme Leute werden als schlecht gesehen, besonders von sehr reichen und erfolgreichen Leuten. Kaufen und haben, das ist das Wichtigste. Familie und Freundschaft nicht so.

Können sie das Schulsystem in Kroatien mit dem in Kanada oder Deutschland vergleichen?

Ich habe schon etwas darüber gesagt. Die Grundschule in Kanada dauert 6 Jahre, und dann gibt es 6 Jahre Mittelschule. Die zwei sind verschiedene Institutionen, wie hier. Alle Mittelschulen sind generell und haben das gleiche Programm, und man besucht meistens die Schule, die am nächsten ist. Manche Schulen gelten als besser, und es gibt auch sehr viele katholische Grund- und Mittelschulen, was in Kroatien nicht der Fall ist. In Englischstunden lernt man sehr wenig Grammatik, und die meisten Kanadier haben keine Ahnung, was ein Substantiv oder Objekt ist. In Kroatien ist das ganz anders. In Kanada lernen die Schüler meistens, wie man Essays schreibt, und sie lesen viel. In allen Schulen kann man die meisten Fächer wählen, nur einige sind ein Muss (wie Englisch und Mathematik). Fremdsprachen sind überhaupt nicht wichtig. Man lernt ein bisschen Französisch in der Mittelschule, aber die meisten vergessen es sehr schnell. Es gibt aber Schulen, wo der Unterricht ganz in Französisch oder Spanisch ist. Kanada ist doch ein Land der Immigranten.

Würden sie in Deutschland arbeiten? Wenn ja, warum?

Ja, sehr gerne! Ich würde gerne in vielen verschiedenen Ländern arbeiten. Deutschland gefällt mir besonders, weil ich Deutschlehrerin bin, und für mich wäre es perfekt, die Sprache noch besser zu lernen. Deutschland ist mir ganz nah, denn ich habe Deutsch studiert und ich weiß viel über das Land. Ich wäre sehr glücklich, wenigstens 6 Monate in Deutschland zu arbeiten. Mehr wäre sogar besser. Es ist immer eine tolle Erfahrung, in einer anderen Kultur zu leben.

Frau Gal, ich bedanke mich sehr, dass Sie Zeit fanden, über Ihrer Job und bisherige Erfahrung als Lehrerin zu sprechen.

Die Deutsch-Kroatische Lebensberatung in Österreich

Von Marina Antunović

Die nun zweifache Mutter Slavica Ilić aus Knittelfeld in Österreich ist seit über zwei Jahren als Dolmetscherin für die kroatische Sprache im «Verein für psychische und soziale Lebensberatung» tätig.


Frau Ilić, Sie leben schon sechs Jahre in Österreich und seit zwei Jahren sind Sie als Dolmetscherin eingestellt. Weshalb haben Sie sich gerade für diesen Beruf entschieden?

Es gibt so viele meiner Landsleute dort, die nach Österreich kamen, heute aber noch (nach über 16 Jahren) wegen mangelhafter Deutschkenntnisse ihre privaten Probleme einer berechtigten Person dieses Faches nicht ausdrücken können, sich aber helfen lassen möchten. Ich bin froh, wenn ich in solchen Fällen eingesetzt werde, um zu einer schnelleren Lösung ihrer Probleme zu verhelfen.


Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen? Haben Sie eine Dolmetscherausbildung absolviert?

Eigentlich bin ich keine diplomierte Dolmetscherin, aber ich hatte Glück, dass man die Muttersprache auf hohem Niveau beherrscht sowie fließend, ja fast perfekt, Deutsch sprechen sollte. Da ich diese Ansprüche in jeder Hinsicht erfüllt habe, setzte sich ein einheimischer Bekannter im Verein für mich ein und ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.


Wie lief dieses Vorstellungsgespräch ab? Mussten Sie die vom Verein gestellten Forderungen unter Beweis stellen?

Ja, natürlich. Man drückte mir einen Text in kroatischer Sprache in die Hand, den ich anschließend in geschriebener Form in das Deutsche übersetzen sollte. Logischerweise hatten die Herrschaften dort «den Lösungstest» schon vorliegen, es war aber diese Art vom Test, um ihnen die Sicherheit zu geben, meine Tätigkeit in diesem Verein auch gut meistern zu können.


Beschreiben Sie uns, wie Sie die deutsche Sprache erworben haben.

Während des Bürgerkriegs in Bosnien und Herzegowina fanden damals meine Eltern, meine Schwester und ich Zuflucht in Deutschland. In diesen sieben Jahren besuchte ich regelmäßig eine deutsche Schule. Ich habe mich sehr gut und sehr schnell durch meinen Ehrgeiz integrieren können. Dieses verhalf mir dazu, die deutsche Sprache in Schrift und Sprache zu bewältigen.


Mit welcher Art von Sorgen kommen ihre Landsleute zu ihrem Arbeitsort?

Nun, es sind verschiedene Bereiche von Thematik. Die meisten jedoch handeln von Beziehungsproblemen zwischen den Partnern oder von traumatischen Ereignissen aus dem Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina. Es gibt auch Klienten mit Integrationsproblemen, aber zu den oben angeführten Beispielen darf ich mich nicht tiefer äußern, denn ich unterliege ebenso wie meine Kollegen (Psychologen, Psychiater, Therapeuten) einer absoluten Schweigepflicht.


Wie verläuft ein solches Seelsorgetreffen ab und wo findet es statt?

Ein solches «Treffen» findet ausschließlich in den Räumen des erwähnten Vereins statt. Es ist mehr oder weniger eine Art «Kaffeekränzchen» unter Freunden, die gemeinsam zur Lösung des (Haupt)Problems verhelfen. Ich sage bewusst «Kaffeekränzchen», denn es wird dem Klienten unter anderem auch etwas zu trinken angeboten, natürlich nur alkoholfreies (lacht). Der Klient kann es sich auch gemütlich machen, sprich sich hinlegen oder auch sitzen bleiben. So ein «Service» ist in anderen Vereinen aber nicht so selbstverständlich.


Wie meinen Sie das?

Es ist uns wichtig, dass der Klient sich bei uns in erster Linie wohl fühlt, um Vertrauen zu uns aufbauen zu können. Man erzählt doch schließlich nicht jeder Menschenseele oder einem Fremden gerne von seinen Intimitäten. Wir verdeutlichen mit dieser Atmosphäre, dass man mit Kummer und Sorge zu uns kommen kann und es uns am Herzen daran liegt, so gut wie möglich diese auch aus der Welt zu schaffen.


Dürfen Emotionen bei solchen Treffen mit im Spiel sein? Immerhin sind es bewegende Momente…

Auch ich bin Mensch und keine Übersetzungsmaschine. Es lässt mich nicht kalt, wenn jemand zum Beispiel von einer Vergewaltigung erzählt und in Tränen ausbricht. Auch mir ist in meiner Tätigkeit als Dolmetscherin eine oder mehrere Tränen vom Gesicht geflossen – das ist schon erlaubt. In so einem Moment wird eine kleine Pause gemacht, bis der Klient sich wieder «gesammelt» hat und fortfahren kann. Ich muss natürlich konzentriert meine Arbeit «weitermachen» und zu Ende führen.


Und wie verarbeiten Sie ihr Mitgefühl?

Der Verein bietet uns Dolmetschern ein so genanntes Reflexionsgespräch nach dem Treffen. In diesem Gespräch werden wir Dolmetscher anschließend selber therapiert - es findet jedoch statt, nachdem die Stunde mit dem Klienten beendet ist. Ich bringe dann den bewegendsten Moment aus meiner Sicht hervor, der mich nach dem Treffen bedrückt. Es ist aber so eine Sache mit uns Dolmetschern: wir müssen uns selbst im klaren sein, dass es «nur» unsere Arbeit ist und danach die Emotionen im Zusammenhang mit dem Klienten abgestellt werden müssen, um im Privatleben normal weiterfunktionieren zu können.


Haben Sie geregelte Arbeitszeiten oder werden Sie nach Bedarf zur Hilfe geholt?

Ich arbeite auf Teilzeitbasis, das heißt ich werde je nach Bedarf eingesetzt.


Wie oft stehen Sie, schätzungsweise, dem Verein monatlich zur Verfügung?

Es kommt vor, dass ich vier bis fünf Mal im Monat dolmetschen muss, aber das hängt natürlich von der Klientennachfrage ab. Manchmal vergehen aber auch ein bis zwei Monate, ohne dass meine Übersetzungshilfe benötigt wird.


Sie sind ja neben diesem Beruf Hausfrau und Mutter zweier Kinder. Wie bringen Sie das alles unter einem Hut?

Ein solches Treffen wird nicht kurzfristig festgelegt. Es wird ein nächstmöglichstes Datum vereinbart, der uns allen am günstigsten erscheint. Somit habe ich freie Hand bei der Organisation meiner Arbeitszeiten im Voraus und unter anderem kann ich rechtzeitig für meine Kinder einen Babysitter engagieren.

Neuer Beginn in einem fremden Land

Von Tanja Ivković

Viele sind wegen besserer Lebensumstände in den 60ern und auch wegen des Krieges in den 90er Jahren des zwanzigsten Jahrunderts aus Jugoslawien nach Deutschland emigriert. Eine von diesen Emigranten ist auch Justinia, die aus sozialen Gründen emigrierte. Justinia und ihre Familie verließen ihre Heimat auch wegen der ungünstigen politischen Situation, um eine bessere Zukunft in einer demokratischen Gesellschaft zu finden. Ich habe Justinia interviewt, weil sie 42 Jahre lang in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Sie lebt bis heute mit ihrer Familie in Deutschland. Justinia kann vielen Menschen ein gutes Beispiel geben, wie sie ihr Leben verbessern können. Sie hat mich angeregt, Deutsch zu studieren und sie war immer mein Vorbild, wegen ihrer Ausdauer und Offenheit.


Justinia, wann und warum sind Sie nach Deutschland gezogen?

Ich habe das ehemalige Jugoslawien im Jahr 1968 verlassen, als ich 26 Jahre alt war. Das war die Zeit als viele Leute aus Jugoslawien emigrierten und meistens sind sie nach Deutschland gegangen. Ich bin, wie viele andere aus sozialen Gründen emigriert. Ich habe gehört, dass man in Deutschland viel mehr Geld, als in Kroatien verdienen kann und dass man seinen Kindern ein besseres Leben ermöglichen kann. Kroatien war damals ein sozialistisches Land, Arbeiterlöhne waren nicht so gut wie in Deutschland und in den anderen kapitalistischen Staaten. Ich bin mit meinem Ehemann und meiner Tochter nach Frankfurt gezogen. Einige unserer Verwandten waren schon in Frankfurt und anfangs haben wir bei ihnen gelebt, bevor wir zu arbeiten angefangen haben.

Worauf haben Sie gehofft beim Umzug nach Deutschland?
Wir erhofften uns, dass wir nicht nur in einer besseren Gesellschaft leben würden und mehr verdienen würden, sondern auch dass wir unsere Kinder in einer sicheren Gesellschaft aufbringen können. Wir hofften auch, dass wir gut von der Gesellschaft akzeptiert werden und dass wir viele gute Leute kennenlernen werden. Mein Ehemann und ich haben unsere Tochter Romana in den Kindergarten geschickt, weil meine Eltern nicht mit uns in Deutschland waren. Es war ein bisschen schwierig, ein Kind ohne Hilfe der Großeltern zu erziehen weil wir beide arbeiten mussten. Als wir begonnen haben zu arbeiten, haben wir uns eine kleine Wohnung kaufen können. Ich wusste auch, dass wir sehr viel arbeiten werden müssen, aber ich wusste, dass man uns dafür auch bezahlen würde.

Wo haben Sie gearbeitet?

Ich habe als Krankenschwester in einem umliegenden Krankenhaus gearbeitet. Der Lohn war am Anfang nicht so gut, aber es war viel höher als in Kroatien. Ich musste auch Überstunden machen und es war sehr schwierig, jedoch wurde man sehr gut für diese Überstunden bezahlt.

Wie wurden Sie am Arbeitsplatz behandelt?

Die Arbeitsbedingungen waren sehr gut. Ich brauchte ein bisschen Zeit am Anfang, um mich an die sogenannte deutsche Schnelligkeit, an dieses Tempo des Lebens zu gewöhnen. Ich habe sehr viel gearbeitet auch an Wochenenden. Ich war bereit viel zu arbeiten, aber ich war auch sehr gut dafür bezahlt. Zu dieser Zeit konnte man sehr viel verdienen und sehr gut davon leben, wenn man fleißig war. Die Leute mit einer besseren Bildung hatten auch bessere Löhne, aber für mich war mein Lohn sehr befriedigend.

Wie würden Sie ihren Job in Kroatien mit dem Job in Deutschland vergleichen?
Der Unterschied zwischen meinem Job in Kroatien und dem in Deutschland ist sehr groß. Man wird in Deutschland viel besser bezahlt als in Kroatien für den gleichen Job und die Arbeitsbedingungen sind auch viel besser. Als ich nach Deutschland kam, habe ich erst bemerkt dass es in Deutschland neuere Maschinen, neuere Betten und größere Räume gibt. In Kroatien, muss ich gestehen, gibt es auch Nepotismus, also man bevorzugt immer seine Verwandten bei der Arbeit und das gibt es in Deutschland überhaupt nicht. In den kroatischen Krankenhäusern musste es auch, ich weiß nicht ob es immer noch so ist, eine bestimmte Anzahl von nationalen Minderheiten geben und in Deutschland ist es nur wichtig, dass man ein guter Arbeiter ist. In Deutschland muss man viel arbeiten und die Konkurrenz ist sehr groß, wodurch ich gezwungen war, ehrlich zu arbeiten. In Kroatien und im ehemaligen Jugoslawien waren die Arbeiter sehr beschützt und man konnte keine Kündinung bekommen, wenn man ein Mitglied der Partei war. In Deutschland war es nicht wichtig ob man Deutscher oder Kroate war.

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeiter in Deutschland und in Kroatien?

Das Verhältnis zwischen den Angestellten und einem Arbeitgeber in Deutschland ist sehr korrekt. In Kroatien waren die Arbeiter sehr beschützt und man konnte sich auch leisten, ein schlechter Arbeiter zu sein, aber man konnte das nicht in Deutschland machen. Jeder musste seinen Job korrekt und gut machen und dann würde man sehr viel verdienen, und wenn einer nicht arbeiten wollte, dann wurde er gefeuert. Am Anfang scheinen die Arbeitgeber alle sehr berechnet und kalt zu sein, aber wenn man sie ein bisschen kennenlernt, dann sieht man, dass sie sehr professionell sind. Ich habe niemals eine schlechte Erfahrung gemacht.


Wie waren sie mit dem Lohn und mit der Arbeit zufrieden?

Ich war sehr zufrieden, ich hatte genug Geld meine 2 Kinder, Romana und Renata, in guten Schulen und an eine gute Universität zu schicken. Die Löhne in Deutschland sind hoch, aber die Preise sind auch hoch. Ungeachtet dessen, hatten wir genug Geld, im Winter Ski laufen zu gehen und im Sommer die kroatische Küste zu besuchen.

Hatten sie Probleme mit der Sprache an ihrem Arbeitsplatz?

Ja, ich hatte sehr viele Probleme mit der Sprache und Aussprache, weil ich in Kroatien kein Deutsch gelernt hatte. Aber mein Ehemann sprach sehr gut Deutsch und er und meine zwei Töchter halfen mir sehr viel. Innerhalb eines Jahres habe ich Deutsch gelernt. Ich konnte mich mit den anderen Leuten gut verständigen. Wenn man als Krankenschwester arbeitet, ist es sehr wichtig, dass man seine Patienten versteht und dass man mit seinen Patienten kommunizieren kann. Manchmal hängt das Leben des Patienten davon ab. Die Patienten waren mein größtes Motiv, Deutsch zu lernen.

Was hat euch die Arbeit in Deutschland ermöglicht und was hat sie erschwert?
Es war für mich sehr schwierig, weil ich meine Eltern nicht sehen konnte. Ich habe sie nur einmal pro Jahr gesehen. Die Arbeit in Deutschland hat mir ermöglicht, ein angenehmes Leben zu führen und meine Kinder auszubilden. Die Kinder waren in einer Demokratie erzogen und sie haben glücklicherweise den Krieg nicht gesehen. Sie sind in einer liberalen Gesellschaft aufgewachsen und ihnen fehlte es niemals an etwas.

Wann sind Sie in Pension gegangen und warum?

Ich wurde pensioniert wegen eines Unfalls am Arbeitsplatz. Ich habe eine hohe Pension und ich habe genug Geld für die Medikamente und Therapien. Jeden Sommer gehe ich nach Kroatien und ich versuche viel zu schwimmen, wegen meiner Gesundheit.